{"id":124,"date":"2014-06-02T15:58:39","date_gmt":"2014-06-02T15:58:39","guid":{"rendered":"http:\/\/wp.perlduekkers-seefahrt.de\/?page_id=124"},"modified":"2018-06-02T08:52:39","modified_gmt":"2018-06-02T08:52:39","slug":"clarita-schroeder-stueckgutfrachter-tramp-weltweit","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/perlduekkers-seefahrt.de\/?page_id=124","title":{"rendered":"CLARITA SCHROEDER Stueckgutfrachter (Tramp weltweit)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Clarita Schr\u00f6der war eines der sch\u00f6nsten Schiffe auf denen ich fahren durfte, zwar ein Arbeitsschiff, aber sehr gute Crew und alles drum herum passte. Gut sieben Monate blieb ich an Bord. Nat\u00fcrlich wieder ein Weihnachten auf See, 1972.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir stiegen in Hamburg ein und machten eine Charterreise f\u00fcr die Franzosen in den indischen Ozean.\u00a0Zuerst einmal klapperten wir die K\u00fcste in Europa ab und nach dem Auslaufen von Le Havre ging es durch den englischen Kanal und danach nur noch southbound, Richtung Madagaskar.\u00a0Die Reise verlief ohne gro\u00dfe Probleme (siehe Bilder) und kurz vor Madagaskar wurde uns mitgeteilt, das Bergvolk und die People an der K\u00fcste h\u00e4tten Meinungsverschiedenheiten und somit konnten wir Tamatave, unseren ersten L\u00f6schhafen auf Madagaskar, nicht anlaufen.\u00a0Also gingen wir kurz vor Manakara auf Reede und l\u00f6schten, bei sehr starkem Schwell, unser komplettes Sackgut f\u00fcr Tamatave ab. Ein paar S\u00e4cke gingen in den Bach, ansonsten hat es gut geklappt.\u00a0Sobald das Sackgut gel\u00f6scht war verholten wir zur Nachbarinsel LA R\u00c9UNION.\u00a0Hier wurde ersteinmal, ohne ersichtlichen Grund, eine deftige Party gefeiert.\u00a0Die K\u00e4mpfenden auf Madagaskar hatten sich soweit beruhigt, dass wir nach L\u00f6schende auf La R\u00e9union endlich Kurs auf Madagaskar nehmen konnten.\u00a0In Tamatave haben wir, sage und schreibe, vier Wochen gelegen.\u00a0Fast voll Schiff l\u00f6schen und voll Schiff laden.\u00a0Vier Wochen in so einer Town, keiner hatte mehr Guthaben. Die Damen des horizontalen Gewerbes wurden immer Freitags entlohnt nachdem wir uns beim Purser die aufgelaufenen \u00dcberstunden ausbezahlen liessen. Ab und zu haben die M\u00e4dels, unter der Woche, auch schon mal einen ausgegeben f\u00fcr uns!!\u00a0Eine herrliche Zeit auf Madagaskar, Rikscharennen, Zyklone, franz\u00f6sische Fremdenlegion\u00e4re und bei einer Creolin h\u00f6rte ich zum ersten Mal in meinem Leben den Tropenregen auf das Wellblechdach ihrer H\u00fctte trommeln.\u00a0Aber alles sch\u00f6ne geht einmal zu Ende.\u00a0Mit einer Riesenfete verabschiedete der Kapit\u00e4n uns und sich von Madagaskar, es war alles eingeladen was Rang und Namen hatte, sogar unsere &#8222;Damen&#8220; waren dabei, und da der Jungzimmermann im Hafengebiet, um unser Achterdeck richtig zu schm\u00fccken, noch zwei Palmen gef\u00e4llt hatte, wollte ihn die ans\u00e4ssige Polizei in den Knast stecken. Es wurde alles geregelt und dann wurde es h\u00f6chste Zeit das wir ausliefen, wir waren ja schon alle fast verheiratet.\u00a0Auf unserem T\u00f6rn nach Europa konnten wir uns endlich richtig ausruhen, selbsverst\u00e4ndlich auch arbeiten, bis Hamburg. Und wir brachten den Dampfer richtig auf Vordermann!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Hamburg gingen wir in Time Charter f\u00fcr Hapag\u00b4s.\u00a0Die Hapag Leute waren voll des Lobes \u00fcber unseren Dampfer, ein Schiff wie die Clarita und in so einem tadellosem Zustand h\u00e4tten sie lange nicht gesehen.\u00a0Kein Wunder, die vier Wochen in Tamatave und dann der lange Seet\u00f6rn. Alle B\u00e4ume gel\u00fcmmelt, alle Dr\u00e4hte gelabsalt und der ganze Dampfer top in Farbe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Hamburg wurde zuerst einmal unser Schornstein stark ver\u00e4ndert, Hapag &#8211; Farben.\u00a0Beim Laden ging es richtig rund. Wir luden eine komplette Brauerei f\u00fcr Peru, zu der Brauerei geh\u00f6rten auch noch 500 Sack Zement. Na, h\u00e4tten wir noch etwas Sand gehabt, h\u00e4tten wir das Ding ja auch gleich aufbauen k\u00f6nnen.\u00a0Unser Bestimmungshafen war Iquitos, kurz vor den Anden, von Osten aus \u00fcber den Amazonas angefahren(Peru).\u00a0Hier sollte alles auf Pontons verladen werden.\u00a0Bis Iqitos kommt ein Seeschiff nur im Mai, wenn der h\u00f6chste Wasserstand auf dem Amazonas herrscht, aber es ist am Arsch der Welt, wie wir sp\u00e4ter feststellen konnten, n\u00e4mlich da, von wo aus es fast nicht weitergeht.\u00a0Die \u00dcberreise war ruhig und im Amzonas Delta, vor Macapa kam der erste Lotse an Bord.\u00a0In Manaus war Lotsenwechsel und wir bekamen zwei Lotsen die sich Tag und Nacht abl\u00f6sten.\u00a0Viele Affen und Schlangen und anderes Getier war an den 14 Tagen von Manaus bis Iquitos zu sehen, so hatten wir unter anderem ein Kam\u00e4leon an Bord, keiner wusste wo es herkam, aber es hat leider nicht \u00fcberlebt und so bekam es eine Seebestattung auf dem Amazonas.\u00a0Wir lie\u00dfen es in einem Pappkarton auf dem Amazonas, w\u00e4hrend der Fahrt, zu Wasser.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Gott sch\u00fctze uns vor Sturm und Wind und vor Deutschen die im Ausland sind&#8220;, ein abgegriffener Spruch, aber er beinhaltet immer etwas Wahrheit.\u00a0Einlaufen Iquitos, noch gar nicht ganz fest an der Kai, turnt da doch schon so ein Hutzelm\u00e4nnchen an Bord.\u00a0&#8222;Hallo habt Ihr Hamburg Water, Holsten Bier?&#8220;\u00a0Wir trauten unseren Ohren nicht, dieser Wurzelgnom war Deutscher und lebte schon seit \u00fcber 30 Jahre im Busch bei den Indios, beherrschte drei Indio Dialekte und wusste wie ein Schrumpfkopf pr\u00e4pariert wurde.\u00a0Die L\u00f6scharbeiten des Schwergut und der sperrigen Teile der Anlage, f\u00fchrten wir, die Decksgang, dann alleine durch. Keine Windenleute von Land, oder Schauerleute, nur zum Schlu\u00df f\u00fcr\u00b4s Sackgut.\u00a0Nachdem wir alles sauber \u00fcberstanden hatten, damften wir im Ballast zur\u00fcck nach Belem, Para, in der s\u00fcdlichen Flu\u00dfm\u00fcndung des Amazonas.\u00a0Es gibt dort oben, mitten im tiefen Gr\u00fcn des Dschungels, vor Iquitos, im Amazonas \u00fcbrigens rosa Delphine.\u00a0In Belem luden wir voll Schiff f\u00fcr Europa.\u00a0In den Zwischendecks wurden St\u00e4lle gebaut, aus Maschendraht und Latten. Hier wurden Paran\u00fcsse geladen. Hierzu fuhr extra eine Gang von Brasilianern mit, die die N\u00fcsse auf See Tag f\u00fcr Tag umschaufelten, damit die Paran\u00fcsse nicht schimmelten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach Einlaufen in Bremen gingen wir von Bord.\u00a0Diese Reisen auf der CLARITA SCHR\u00d6DER werde ich nie vergessen.\u00a0Ich gr\u00fc\u00dfe die alte Crew vom November 1972 bis Juni 1973, alle die in Bremen abgemuster sind.\u00a0Hallo Leichtmatrose Uwe St\u00fcrck, Decksmann Norbert H\u00e4ker, Leichtmatrose Ove Vick und Funker Klaus Bed\u00fcrftig, nat\u00fcrlich nicht zu vergessen Paul.<\/p>\n<p>Wo immer ihr auch seid, lasst es euch gutgehen!<\/p>\n<p>Ja, so war das damals, im Jahre 1972 \/ 1973 auf der Clarita Schr\u00f6der.<\/p>\n<ul>\n<li><a title=\"Alte Geschichten\" href=\"https:\/\/perlduekkers-seefahrt.de\/?page_id=16\">zur\u00fcck zur \u00dcbersicht<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Clarita Schr\u00f6der war eines der sch\u00f6nsten Schiffe auf denen ich fahren durfte, zwar ein Arbeitsschiff, aber sehr gute Crew und alles drum herum passte. 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